

Die Gesellschaft hat den Menschen endlich ordentlich untergebracht: angepasst, pflegeleicht und jederzeit verwendbar. Dass er darin kaum Luft bekommt, ist vermutlich ein Anwenderfehler. Bitte arbeiten Sie an Ihrer Belastbarkeit. Die Verpackung bleibt.
Der Artikel handelt von Menschen, die sich so gründlich anpassen, dass für sie selbst kaum noch Platz bleibt — und von einer Gesellschaft, die das für gelungenes Zusammenleben hält. Mit Schopenhauer, Nietzsche, Kant und Jung fragt er, warum wir uns für Zustimmung verbiegen, wenn wir am Ende doch nicht alle zufriedenstellen können.
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„Mitgefühl mit dem Leiden wird selbstverständlich immer bestehen. Es ist einer der ersten Instinkte des Menschen.“
— Oscar Wilde, Die Seele des Menschen unter dem Sozialismus (1891)
Ein schöner Gedanke. Und, mit Verlaub, ein erstaunlich zuversichtlicher.
Denn wer sich lange genug in einer schweren seelischen Krise bewegt hat, weiß: Mitgefühl ist keineswegs selbstverständlich. Viele Menschen lernen früh, ihre Verzweiflung so gut zu verbergen, dass sie niemanden beunruhigt. Sie funktionieren, beantworten die üblichen Fragen mit den üblichen Sätzen und tragen dennoch etwas mit sich herum, das allein kaum noch zu tragen ist.
Gerade verletzliche Menschen erleben oft nicht zu wenig Gefühl, sondern zu wenig Raum dafür: zu wenig Geduld, zu wenig echtes Zuhören und zu viele vorschnelle Urteile, Ratschläge oder das betretene Schweigen jener, die mit fremdem Schmerz nichts anfangen können. So kann Einsamkeit entstehen, obwohl andere Menschen da sind. Und aus Einsamkeit kann eine Not werden, in der selbst der Gedanke an das Weiterleben schwer auszuhalten ist.
Deshalb möchte ich hier etwas Einfaches anbieten: Wenn dich etwas belastet, wenn du dich allein oder unverstanden fühlst oder wenn du Gedanken hast, die du nicht öffentlich aussprechen möchtest, kannst du mir schreiben. Unter : lady.moirer@odium-context.online kannst du mir einen Leserbrief schicken oder mich direkt kontaktieren. Ich lese deine Worte ohne vorschnelles Urteil. Wenn es mir zeitlich möglich ist, antworte ich dir.
Ich bin keine therapeutische oder medizinische Krisenstelle. Wenn du befürchtest, dir etwas anzutun, oder nicht sicher bist, ob du allein bleiben kannst, rufe bitte sofort 112 an. Die TelefonSeelsorge erreichst du anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0800 111 01 11, 0800 111 02 22 oder 116 123. Auch Chat- und Mailberatung sind verfügbar.
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