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Wenn der Wunsch sich schämt

Wir möchten gesehen werden – und fürchten, anders erkannt zu werden, als wir erscheinen wollen. In dieser Ambivalenz liegt auch der Wunsch, im Blick eines anderen bereits der Mensch zu sein, der wir gerne wären: souveräner, unabhängiger, weniger verletzlich. Doch je näher uns jemand kommt, desto schwerer lässt sich dieses Bild vor den Brüchen der eigenen Geschichte bewahren. Zur Scham über das, was wir verbergen, tritt die Scham darüber, einen Eindruck geweckt zu haben, dem wir nicht entsprechen können.

Der Artikel geht dieser Spannung zwischen Sehnsucht und Selbstschutz nach. Er fragt, wie Rollen, die uns Halt geben, zur Verpflichtung werden – und wie Nähe möglich bleibt, wenn wir nicht länger nur die unangreifbare Fassung unserer selbst zeigen. Dabei geht es nicht darum, jedes Geheimnis preiszugeben, sondern dem eigenen Wunsch eine Sprache zu geben, ohne die eigene Würde vom Urteil des anderen abhängig zu machen.


Hier geht's zum Artikel : 

https://odium-context.online/f/wenn-der-wunsch-sich-sch%C3%A4mt

Gedanken, die einen Empfänger brauchen

„Mitgefühl mit dem Leiden wird selbstverständlich immer bestehen. Es ist einer der ersten Instinkte des Menschen.“

— Oscar Wilde, Die Seele des Menschen unter dem Sozialismus (1891)


Ein schöner Gedanke. Und, mit Verlaub, ein erstaunlich zuversichtlicher.

Denn wer sich lange genug in einer schweren seelischen Krise bewegt hat, weiß: Mitgefühl ist keineswegs selbstverständlich. Viele Menschen lernen früh, ihre Verzweiflung so gut zu verbergen, dass sie niemanden beunruhigt. Sie funktionieren, beantworten die üblichen Fragen mit den üblichen Sätzen und tragen dennoch etwas mit sich herum, das allein kaum noch zu tragen ist.

Gerade verletzliche Menschen erleben oft nicht zu wenig Gefühl, sondern zu wenig Raum dafür: zu wenig Geduld, zu wenig echtes Zuhören und zu viele vorschnelle Urteile, Ratschläge oder das betretene Schweigen jener, die mit fremdem Schmerz nichts anfangen können. So kann Einsamkeit entstehen, obwohl andere Menschen da sind. Und aus Einsamkeit kann eine Not werden, in der selbst der Gedanke an das Weiterleben schwer auszuhalten ist.

Deshalb möchte ich hier etwas Einfaches anbieten: Schreib mir unter im.dialog@odium-context.online, was deine Seele bedrückt. Ich lese deine Nachricht aufmerksam und nehme dich ernst. Hier wirst du nicht stigmatisiert und auch nicht bewertet.


Ich bin keine therapeutische oder medizinische Krisenstelle. Wenn du befürchtest, dir etwas anzutun, oder nicht sicher bist, ob du allein bleiben kannst, rufe bitte sofort 112 an. Die TelefonSeelsorge erreichst du anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0800 111 01 11, 0800 111 02 22 oder 116 123. Auch Chat- und Mailberatung sind verfügbar.

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