

Große Geister, irdische Probleme: Auf meiner neuen Unterseite begegnen sich Philosophen, Dichterinnen und Seelenforscher im zeitlosen Jenseits. In frei erfundenen, satirischen Gesprächen verhandeln sie die Zumutungen unseres heutigen Alltags – mit widersprüchlichen Ansichten und keineswegs immer der erhofften Gelassenheit.
Zum Auftakt: Die unergründlichen Geheimnisse der weiblichen Wandlung – Ein Leitfaden für den verwirrten Gatten
Dostojewski poltert in Freuds Arbeitszimmer: Anna ist in den Wechseljahren, die Nächte sind unruhig, und seine gut gemeinten Hilfsversuche geraten zuverlässig zum nächsten Missverständnis. Freud soll helfen – möglichst auch ihm. Doch zwischen Hitzewallungen, einer unpassend überreichten Bettflasche und gekränkter Gattenwürde muss der Schriftsteller feststellen, dass sich nicht jedes Drama durch ausgiebiges Erörtern lösen lässt.
Eine satirische Kurzgeschichte über Wechseljahre, männliche Ratlosigkeit und die schwierige Kunst, beizustehen, ohne selbst die Hauptrolle zu beanspruchen.
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„Der wichtigste, nützlichste und, so merkwürdig es klingen mag, revolutionärste Rat, den ich Frauen geben kann, die in die Wechseljahre eintreten, lautet: sich keine Sorgen zu machen, Herrin ihrer Gefühle zu bleiben und genauso weiterzumachen, als geschehe nichts Besonderes.“
— Marie Carmichael Stopes
Wie überaus reizend. Es geschieht also nichts Besonderes. Nach drei Stunden Schlaf suche ich den Schalter der Kaffeemaschine, meine Wörter und gelegentlich mich selbst.
Mein Körper wird inzwischen ohne Rücksprache mit der Eigentümerin umgebaut. Die tragfähigen Bausteine werden abgetragen, die brüchigen Elemente bleiben selbstverständlich erhalten. Offenbar stehen ausgerechnet meine Schwachstellen unter Denkmalschutz.
Andere erleben ihre persönliche Renaissance. Ich möchte ausschlafen. Lebensfreude ist durchaus noch vorhanden. Sie sitzt hinter einer klemmenden Kellertür. Die Ölkanne habe ich bei meinem letzten Ausflug in die Erinnerung vergessen.
Aber selbstverständlich bleibe ich Herrin meiner Gefühle. Die Herrschaften gegenüber müssten dafür lediglich kurz den Beschuss einstellen.
Das Positive an der ganzen Sache: Irgendwann sitzt man gelassen zwischen den Trümmern und nimmt keine Verbesserungsvorschläge mehr entgegen. Schon gar nicht von Leuten, deren Statik man kennt.
Abschließend möchte ich hier noch mit Heinrich Heine sagen:
„Ich bins gewohnt, den Kopf recht hoch zu tragen,
Mein Sinn ist auch ein bißchen starr und zähe;
Wenn selbst der König mir ins Antlitz sähe,
Ich würde nicht die Augen niederschlagen.“
[Hinweis: Die Zigarette dient hier ausschließlich der Pointe, nicht der Tabakwerbung. Ich selbst bin Nichtraucherin. Für meine Gereiztheit kann ich also nicht einmal Nikotinentzug verantwortlich machen.]
„Wer wollte sie auch nur ein wenig weniger abgegriffen haben? In welchem besseren Zustand könnten wir sie uns wünschen?“
— Charles Lamb, Detached Thoughts on Books and Reading (eigene Übersetzung aus dem Englischen).
Mit dem heutigen Eintreffen meiner gebraucht bestellten Bücher beginnt in mir wieder ein leises, ausuferndes Fragen: Wer hat vor mir über diesen Seiten gesessen? Hat jemand darin Halt gesucht, einen Gedanken lieb gewonnen oder einfach einen stillen Nachmittag mit ihnen verbracht? Und weshalb wurden sie irgendwann fortgegeben?
Als Autorin gerate ich darüber von einer möglichen Lebensgeschichte in die nächste. Als Leserin möchte ich endlich anfangen. Einstweilen streiche ich mit einer gewissen Ehrfurcht über die Einbände, während meine Fantasie bereits die früheren Besitzer zum Tee bittet.
Wie mag es anderen Menschen gehen, wenn sie gebrauchte Bücher in den Händen halten? Sind sie vor allem Lektüre zu einem erfreulichen Preis? Oder entsteht auch bei ihnen eine besondere Zärtlichkeit für diese Exemplare, die schon zu einem anderen Alltag gehört haben?
Von dieser Freude, den philosophischen Fragen zwischen alten Buchdeckeln und den beträchtlichen Umwegen bis zur ersten Seite handelt mein neuer Artikel.
Zum Artikel :https://odium-context.online/f/die-wertsch%C3%A4tzung-f%C3%BCr-das-gebrauchte-buch

„Mitgefühl mit dem Leiden wird selbstverständlich immer bestehen. Es ist einer der ersten Instinkte des Menschen.“
— Oscar Wilde, Die Seele des Menschen unter dem Sozialismus (1891)
Ein schöner Gedanke. Und, mit Verlaub, ein erstaunlich zuversichtlicher.
Denn wer sich lange genug in einer schweren seelischen Krise bewegt hat, weiß: Mitgefühl ist keineswegs selbstverständlich. Viele Menschen lernen früh, ihre Verzweiflung so gut zu verbergen, dass sie niemanden beunruhigt. Sie funktionieren, beantworten die üblichen Fragen mit den üblichen Sätzen und tragen dennoch etwas mit sich herum, das allein kaum noch zu tragen ist.
Gerade verletzliche Menschen erleben oft nicht zu wenig Gefühl, sondern zu wenig Raum dafür: zu wenig Geduld, zu wenig echtes Zuhören und zu viele vorschnelle Urteile, Ratschläge oder das betretene Schweigen jener, die mit fremdem Schmerz nichts anfangen können. So kann Einsamkeit entstehen, obwohl andere Menschen da sind. Und aus Einsamkeit kann eine Not werden, in der selbst der Gedanke an das Weiterleben schwer auszuhalten ist.
Deshalb möchte ich hier etwas Einfaches anbieten: Schreib mir unter im.dialog@odium-context.online, was deine Seele bedrückt. Ich lese deine Nachricht aufmerksam und nehme dich ernst. Hier wirst du nicht stigmatisiert und auch nicht bewertet.
Ich bin keine therapeutische oder medizinische Krisenstelle. Wenn du befürchtest, dir etwas anzutun, oder nicht sicher bist, ob du allein bleiben kannst, rufe bitte sofort 112 an. Die TelefonSeelsorge erreichst du anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0800 111 01 11, 0800 111 02 22 oder 116 123. Auch Chat- und Mailberatung sind verfügbar.
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