Die Moderne liebt es, ihre Monster für erledigt zu erklären, während sie sich weiterhin tief in ihrem Inneren breitmachen. Jene mythischen Gestalten, von denen die Aufklärung mit großem Gestus glaubt, sie entsorgt zu haben, treiben hier weiterhin ihr höflich ignoriertes Unwesen. Werwolf, Hexe, Gespenst oder Doppelgänger interessieren nicht als Kulisse für romantische Lagerfeuerpsychosen, sondern als Verdichtungen von Angst, Begehren, Schuld und jener eigentümlichen Lust an der Verwandlung, die der Mensch so gern anderen Wesen zuschreibt. In diesem Raum werden sie wie Denkfiguren behandelt: Psychoanalyse und Philosophie dienen als Besteck, mit dem ihre Masken, ihre Symbolik und ihre erstaunlich hartnäckige Präsenz im modernen Bewusstsein zerlegt werden – mit aristokratischer Distanz, einem Minimum an Geduld und einem Maximum an Ironie gegenüber der Idee, man könne seine eigenen Monster einfach wegdefinieren.
